[ADD] personalverrechnung: Lexis360 knowledge base (Batch 1)

Curated knowledge base from the first batch of Lexis 360 PDF exports
(LexisNexis "Lexis Briefings Personalrecht", 55 documents, source
Stands 2024-03 to 2026-09). Purpose: development reference alongside
RECHTSQUELLEN-*.md and a retrieval-ready corpus for a future
question-answering copilot.

Licensing split (decision D1): the PDF exports and the extracted full
texts stay local and unversioned (Lexis360/ gitignored, like
.firecrawl/); only the curation in own words with short quotes and
source citations is versioned.

- wissensbasis/dokumente/: one curated entry per briefing (55) with
  approved frontmatter (frozen lb-<cluster>-<nn> ids, English
  structural keys, German values, stand YYYY-MM, ASCII topic/tags
  slugs) and sections Zusammenfassung, Kernwerte & Fristen (Stand
  marked), Rechtsgrundlagen (only citations actually in the source,
  verified/plausible/open marks), Payroll-Relevanz (Odoo), Verweise
- clusters: altersteilzeit 15, lehrlinge 15, jugendliche 7,
  ferialpraktikanten 4, beschaftigungsformen 8, teilzeit 6
- kb.json + INDEX.md: generated from the frontmatter by --registry
  (single source of truth, schema-validated)
- tools/build_lexis_kb.py: stdlib-only pipeline - --extract
  (pdftotext, breadcrumb/stand parsing incl. dossier-style exports
  with wrapped breadcrumbs), --registry (frontmatter validation:
  required keys, id pattern, id prefix vs topic, stand format,
  dangling cross_refs), --check (layer 1 <-> layer 2 completeness);
  ids are frozen across batches, numbers never reused
- RUNBOOK.md: batch intake workflow, validation steps, known
  limitations

Corpus contradictions flagged in the entries (not silently resolved):
AMS replacement rate for blocked Altersteilzeit 2026 (lb-atz-07 28.5%
vs lb-atz-09/12 27.5%), DAG limit 2023 (751.36 vs 751.37 EUR),
Kurzarbeit for Lehrlinge (lb-leh-11 vs lb-leh-07); lehrlinge cluster
partly older Stands (2024-03/2025-08).

Validated: extract 55/55, registry 55 entries/6 clusters, check 0
problems, structural scan of all 55 curated entries, py_compile.
This commit is contained in:
2026-09-10 10:23:46 +02:00
parent 3a4e0dcd0f
commit 6a78b419ed
61 changed files with 9112 additions and 0 deletions
@@ -0,0 +1,128 @@
---
id: lb-atz-15
batch: 1
title: "Rückforderung von Altersteilzeitgeld bei kontinuierlicher Arbeitszeitverkürzung"
work: "Lexis Briefings Personalrecht"
chapter: "Beschäftigungsverhältnisse"
topic: altersteilzeit
author: "Marek"
stand: 2026-01
source:
pdf: "Lexis360/Lexis360_ruckforderung_von_altersteilzeitgeld_bei_kontinuie.pdf"
text: "Lexis360/md/ruckforderung_von_altersteilzeitgeld_bei_kontinuie.md"
legal_bases: ["AlVG § 28"]
tags: [ruckforderung, altersteilzeitgeld, kontinuierliche-arbeitszeitverkuerzung, flexibilisierung, mehrarbeit, geringfugigkeitsgrenze]
cross_refs: ["lb-atz-01", "lb-atz-07", "lb-atz-09", "lb-atz-11", "lb-atz-12", "lb-atz-13", "lb-atz-14"]
---
# Rückforderung von Altersteilzeitgeld bei kontinuierlicher Arbeitszeitverkürzung
*Lexis Briefings Personalrecht, Marek, Stand Jänner 2026 (lb-atz-15).*
## Zusammenfassung
- **Kernrisiko:** Bei kontinuierlicher Arbeitszeitverkürzung fordert das AMS
einen Teil des ATZ-Geldes zurück, wenn die **durchschnittliche tatsächliche
Arbeitszeit** höher ist als die **gemeldete** — unabhängig davon, wer die
Unterschreitung der gemeldeten Reduktion verschuldet, und unabhängig von
einem vorzeitigen ATZ-Ende. Wann das AMS zu kontrollieren beginnt, ist
(Stand 2026-01) ungewiss; laut BMAW-Weisung wird das AMS künftig bei
Abweichungen das ATZ-Geld **rückwirkend neu berechnen** und die Differenz
zurückfordern.
- **Nachweispflicht:** Bei nicht gleichbleibender Reduktion kann das AMS am
ATZ-Ende anhand von **Arbeitszeichnungen** den Nachweis verlangen, dass in
keinem 6-monatigen Durchrechnungszeitraum die Ø-Höchstarbeitszeit
(**80 %** der vorigen NAZ) überschritten bzw. die Ø-Mindestarbeitszeit
(**20 %**) unterschritten wurde und Zeitguthaben/-schulden am Ende
ausgeglichen sind.
- **Rückforderungsbetrag** = ausgezahltes ATZ-Geld minus ATZ-Geld nach der
tatsächlichen Ø-Arbeitszeit. Beispielserie der Quelle (gemeldete Reduktion
50 %, monatliches ATZ-Geld 1.000 €, ATZ nach 2 statt 4 Jahren beendet):
Variante 1 — tatsächliche Ø-Arbeitszeit 70 % (> 60 %, etwa wegen des
vorzeitigen Endes): gebühren würde das ATZ-Geld der 30 %-Reduktion
(1.000 € ÷ 0,5 × 0,3 = **600 €**) → Rückforderung **40 %** des
ausgezahlten ATZ-Geldes. Variante 2 — 55 % tatsächlich (innerhalb
4060 %, aber über gemeldeten 50 %): ATZ-Geld nach 45 %-Reduktion
(**900 €**) → Rückforderung **10 %**. Variante 3 — 35 % tatsächlich
(unter 40 %): **keine** Rückforderung, aber auch keine Nachzahlung
(< 40 % führt nie zu einer Nachzahlung).
- **Bezahlte Mehrarbeit bis zur Geringfügigkeitsgrenze:** Seit dem VwGH
(17. 11. 2021, Ra 2020/08/0042 = ARD 6783/12/2022) und der
Gesetzesänderung per 1. 1. 2024 hängt der Lohnausgleich (und damit das
ATZ-Geld) vom **Ausmaß der Arbeitszeitreduktion** ab, nicht vom
Teilzeitentgelt. Bezahlte zeitliche Mehrarbeit erhöht die tatsächliche
Ø-Arbeitszeit → Rückforderungsrisiko. § 28 AlVG sichert nur, dass das
ATZ-Geld des Monats **nicht zur Gänze** verloren geht — er normiert
**nicht**, dass Mehrarbeit bis zur monatlichen Geringfügigkeitsgrenze
irrelevant wäre. Ältere Überlegungen zur zulässigen Häufigkeit solcher
Mehrarbeit sind durch den VwGH überholt: **jede** Überschreitung der
gemeldeten Ø-Arbeitszeit kann Rückforderung auslösen.
- **Gefahrensituation Blockzeit-Umqualifizierung:** Wird in einem
6-Monats-Zeitraum die 80 %-Grenze überschritten oder die 20 %-Grenze
unterschritten, gilt die **gesamte** ATZ als geblockt — rückgefordert wird
die Differenz ATZ-Geld kontinuierlich vs. geblockt (mehr als die Hälfte
des erhaltenen ATZ-Geldes). Die Mindestarbeitszeit kann nur durch
tatsächliche Arbeitsleistung oder **Urlaubskonsum** erbracht werden,
nicht durch Übertragung von Zeitguthaben.
- **Legale Gegenstrategien:** (1) **einvernehmliche Änderung** des
Reduktionsausmaßes nach oben (Änderungsmeldung; mehrmalige Änderung
zulässig), wenn laufend oder sporadisch mehr Arbeit anfällt;
(2) **Zeitguthaben statt Urlaub konsumieren** — Urlaub verfällt per
Schriftvereinbarung nicht und wird am ATZ-Ende konsumiert; andernfalls
Urlaubsersatzleistung (Basis: Teilzeitentgelt am ATZ-Ende +
Lohnausgleich; der Lohnausgleich darf hier **nicht** ausgeschlossen
werden).
## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-01)
| Wert / Regel | Detail |
|---|---|
| Korridorgrenzen je 6-Monats-Zeitraum | Ø max. **80 %** / Ø min. **20 %** der vorigen NAZ (Stand 2026-01); Ausgleich am ATZ-Ende |
| Beispiel Variante 1 (Ø 70 %) | Rückforderung **40 %** des ATZ-Geldes (1.000 € → 600 € gebührend) |
| Beispiel Variante 2 (Ø 55 %) | Rückforderung **10 %** des ATZ-Geldes (1.000 € → 900 € gebührend) |
| Beispiel Variante 3 (Ø 35 %) | **keine** Rückforderung, **keine** Nachzahlung |
| Interpolation ATZ-Geld | ATZ-Geld ~ Reduktionsausmaß (1.000 € ÷ 0,5 × tatsächliche Reduktion) |
| § 28 AlVG | bezahlte Mehrarbeit ≤ Geringfügigkeitsgrenze: Monat nicht zur Gänze verloren, ATZ-Geld aber gemindert |
| Blockzeit-Umqualifizierung | Grenzverstoß in **einem** Zeitraum → gesamte ATZ geblockt; Rückforderung > **50 %** |
| Mindestarbeitszeit-Erfüllung | nur Arbeitsleistung oder Urlaubskonsum (keine Zeitguthaben-Übertragung) |
| Gegenstrategien | einvernehmliche Reduktionsänderung (mehrfach, je Änderungsmeldung) · Zeitguthaben vor Urlaub konsumieren |
## Rechtsgrundlagen
- **§ 28 AlVG** — Schutz vor gänzlichem Monatsverlust bei Mehrarbeit bis
zur Geringfügigkeitsgrenze ✅ (ausdrücklich zitiert und interpretiert).
- **VwGH Ra 2020/08/0042 = ARD 6783/12/2022** (17. 11. 2021) —
Lohnausgleich orientiert sich am Reduktionsausmaß ✅ (zitiert; Fußnote im
Export doppelt vorhanden).
- **BMAW-Weisung** (künftige AMS-Praxis der rückwirkenden Neuberechnung)
als Verwaltungspraxis referenziert — ⚠ Zeitpunkt und Detailumsetzung
ungewiss; vor Implementierung AMS-Richtlinien prüfen.
## Payroll-Relevanz (Odoo)
- **Soll-Ist-Tracking der Ø-Arbeitszeit** über die gesamte ATZ-Laufzeit aus
Work-Entry-Ist-Zeiten vs. gemeldeter Reduktion — Frühwarnindikator je
6-Monats-Durchrechnungszeitraum (80/20) und kumulativ (Rückforderungs-
Simulation nach den drei Beispielvarianten).
- **Mehrarbeit-Politik:** in der ATZ Bezahltes (auch ≤ Geringfügigkeits-
grenze) als Risiko-Bezug markieren; Zeitausgleich als Default-Pfad
(Auszahlungssperre), Zeitguthaben-Konsum vor Urlaubskonsum priorisieren.
- **Reduktionsänderungen** als Vertragshistorie (hr.version) mit
AMS-Änderungsmeldungs-Workflow; gemeldete Werte versioniert halten —
Basis jeder Rückforderungsdifferenz ist die gemeldete, nicht die
aktuelle Reduktion.
- **Urlaubsersatzleistungs-Basis** (Teilzeitentgelt + Lohnausgleich am
ATZ-Ende, Lohnausgleich nicht ausschließbar) als EOSB-artiger
Beendigungsfall — konsistent mit lb-atz-13/14.
- ATZ-Geld-Erstattung als **Provisionierungslauf** mit Rückrechnungsfähigkeit
(Neuberechnung bei Abweichung) — Beträge versioniert, nie als
Einmalwerte gebucht.
## Verweise
- **KB-intern:** lb-atz-01 (Rückforderung bei verbotener
Nebenbeschäftigung) · lb-atz-07 (Überblick) · lb-atz-09 (ATZ-Geld,
Rückforderungstatbestände) · lb-atz-11 (Reduktionsänderung) · lb-atz-12
(Formen, 80/20) · lb-atz-13 (vorzeitiges Ende geblockter ATZ) · lb-atz-14
(Zeitguthaben/Urlaub)
- **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md`.