[ADD] personalverrechnung: Lexis360 knowledge base (Batch 6)

Sixth Lexis 360 intake (41 briefings, source Stands 2025-06 to
2026-08), extending the corpus to 277 curated entries in 40 clusters.
This batch opens two further briefings chapters, 'Arbeitnehmer-
schutz' and 'Verhaltenspflichten' (five chapters in total now).

- 7 new clusters: arbeitnehmerschutz (12, ASchG incl. Gefahren-
  evaluierung, Arbeitsstätte/-mittel/-stoffe, Arbeitsunfall,
  BauKoG, Bildschirmarbeit, HitzeschutzVO, Strafbarkeit),
  dienstnehmerhaftung (7, incl. Mankohaftung), gleichbehandlung (7,
  incl. Einkommensbericht/Gehaltsoffenlegung), firmeneigentum (6,
  Sachnutzung Dienstwagen/PC/Telefon/Internet), weisungen (3),
  schwerarbeit (5, joins the Arbeitszeit chapter), mobbing (1)
- parser hardening: breadcrumb wrap detection extended to wraps
  after the first separator dot ('... Evaluierung |\nAutor ...')
- one fossil id purged (lb-mip-05 -> lb-swa-05, keyword-fallback
  misroute caught by the prefix guard)
- cross-batch reconciliations: lb-beh-04's 'Belaestigung' gap
  closed (-> lb-glb-02/03/07), lb-sch-01's 'Gefahrenevaluierung
  und Arbeitsverbote' partially closed (-> lb-asc-01); glb-07 vs
  beh-04 divergence on the Aufstiegsschaden measure documented
  for RIS clarification
- flagged: GKV citation 2020 (asc-01) vs 2021 (asc-07), 3-DHG
  limitation dispute, open SV/payroll-tax treatment of deducted
  damages amounts (dnh), Schwerarbeit Teilpension 2026 without
  norm citation, ASchV/NSchG not yet covered in RECHTSQUELLEN
- note: two curation agents were canceled mid-run and their
  remaining scope (asc-04..12, glb/mob) was re-run by fresh
  agents; the three partial asc entries were verified complete
  before acceptance

Validated: --registry 277 entries/40 clusters, --check 0 problems,
structural scan, py_compile.
This commit is contained in:
2026-09-10 13:15:17 +02:00
parent 3a5337e24b
commit 59bcda620f
49 changed files with 7268 additions and 43 deletions
@@ -0,0 +1,108 @@
---
id: lb-glb-01
batch: 6
title: "Der arbeitsrechtliche Gleichbehandlungsgrundsatz"
work: "Lexis Briefings Personalrecht"
chapter: "Verhaltenspflichten"
topic: gleichbehandlung
author: "Vinzenz/Kollros"
stand: 2026-08
source:
pdf: ".lexis360/Lexis360_der_arbeitsrechtliche_gleichbehandlungsgrundsatz.pdf"
text: ".lexis360/md/der_arbeitsrechtliche_gleichbehandlungsgrundsatz.md"
legal_bases: ["ABGB §§ 879, 1157", "BPG"]
tags: [gleichbehandlung, gleichbehandlungsgrundsatz, zusatzleistungen, benachteiligungsverbot, ausgleichsanspruch, betriebspension]
cross_refs: ["lb-glb-02", "lb-glb-05", "lb-glb-07", "lb-vor-05", "lb-ent-02", "lb-ent-03"]
---
# Der arbeitsrechtliche Gleichbehandlungsgrundsatz
*Lexis Briefings Personalrecht, Vinzenz/Kollros, Stand August 2026 (lb-glb-01).*
## Zusammenfassung
- **Ungeschriebenes Richterrecht:** Der allgemeine arbeitsrechtliche
Gleichbehandlungsgrundsatz verbietet dem Arbeitgeber, einzelne
Arbeitnehmer (oder eine Minderheit) ohne sachliche Rechtfertigung
schlechter zu behandeln als die Mehrheit der Arbeitnehmer im Betrieb.
Eine explizite Rechtsgrundlage existiert nicht — die Rsp stützt ihn ua
auf die Gute-Sitten-Klausel (§ 879 ABGB), die Fürsorgepflicht
(§ 1157 ABGB) und Grundrechte. Angewendet wird er in der Rsp vor
allem bei **Entgelt** und **Betriebspensionen**.
- **Anwendungsrahmen „Zusatzleistungen":** Geschützt ist, was nach einem
generalisierenden Prinzip an eine Gruppe (Betrieb, Betriebsteil)
gewährt wird — auch vertragliche Ansprüche, soweit sie über Gesetz,
Kollektivvertrag oder Betriebsvereinbarung hinausgehen (Bsp:
günstigere KV-Einstufung einer ganzen Kategorie; grundlos
ausgenommene Einzelne haben Anspruch auf die Differenzbeträge).
- **Gestaltungsrechte** (Kündigung, Entlassung) unterliegen dem
Grundsatz nicht. Absolute Benachteiligungsverbote (Geschlecht,
ethnische Zugehörigkeit, Religion/Weltanschauung, Alter, Behinderung,
sexuelle Orientierung, sittenwidrige Motive) gelten dagegen
unabhängig von einer Mehrheit/Minderheit-Konstellation (→ lb-glb-02);
eine KV-Deckung der Differenzierung rechtfertigt sie nicht.
- **Bevorzugung einzelner Arbeitnehmer** bleibt zulässig; Vergleichsrahmen
ist grundsätzlich der Betrieb, ausnahmsweise (zB Fluktuation zwischen
Betrieben) das Unternehmen.
- **Stichtagsregelungen:** Für ab einem bestimmten Stichtag neu
aufgenommene Arbeitnehmer dürfen andere (auch ungünstigere)
Arbeitsbedingungen festgelegt werden (stRsp) — die Regelung sollte im
Arbeitsvertrag erfolgen.
- **Rechtsfolgen:** Ausgleichsanspruch (entgeltmäßige Stellung, als
hätte es die Ungleichbehandlung nicht gegeben); bei schikanöser,
schädigender Differenzierung zusätzlich Schadenersatz; allenfalls
berechtigter Austritt. Differenzierungsgründe sollten aus
Beweisgründen schriftlich dokumentiert werden.
## Kernwerte & Fristen (Stand 2026-08)
| Wert / Regel | Detail |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | keine explizite — Richterrecht aus § 879 ABGB (gute Sitten), § 1157 ABGB (Fürsorgepflicht), Grundrechten (Stand 2026-08) |
| Anwendungsschwerpunkte | Entgelt und Betriebspensionen (Rsp-Schwerpunkte) |
| Gestaltungsrechte | Kündigungen und Entlassungen unterliegen dem Grundsatz nicht |
| Stichtagsregelung | für neu aufgenommene AN zulässig; Vereinbarung im Arbeitsvertrag empfohlen |
| Rechtsfolge | Ausgleichsanspruch (Differenzbeträge); bei Schikane Schadenersatz; evtl. berechtigter Austritt |
## Rechtsgrundlagen
- **§ 879 ABGB** (sittenwidrige Schlechterbehandlung) und **§ 1157 ABGB**
(Fürsorgepflicht) als von der Rsp herangezogene Rechtsgedanken; kein
ausdrückliches Gesetz.
- **Betriebspensionsgesetz:** bei Betriebspensionen ist das
Differenzieren „noch speziell erschwert" (ohne §-Zitat im Briefing) —
⚠ Detailnorm vor Implementierung gegen RIS verifizieren
(→ lb-vor-05).
- Judikatur im Briefing: 9 ObA 90/04g (Bildschirmzulage nur für
Vollzeitkräfte = mittelbare Diskriminierung wegen Geschlechts, trotz
KV-Deckung), 9 ObA 601/90 und 9 ObA 24/02y (Stichtags-rsp).
## Payroll-Relevanz (Odoo)
- **Gruppenkonsistenz:** Zusatzleistungen (Zulagen, übertarifliche
Beträge, betriebliche Übungen) sind je Vergleichsgruppe konsistent
in der Entgeltlogik zu erfassen; das willkürliche Ausnehmen Einzelner
erzeugt Ausgleichs-/Nachzahlungsansprüche — als manuelle
Korrekturbezüge mit Einzelfalldokumentation, nicht als
Regelautomatik.
- **Stichtagslogik** (neue AN mit schlechteren Bedingungen): über
vertragliche Varianten je Einstellungsdatum (hr.version-Vertragsdaten)
abbilden, nicht über eine globale Abrechnungsregel.
- **Betriebspensionsbezug:** Gleichbehandlungsprüfungen bei
Zukunftssicherungs-/Pensionssystemen besonders streng —
Entgelt-/Beitragsdaten für Differenzierungsnachweise vorhalten.
- **Dokumentation statt Engine:** Sachliche Differenzierungsgründe sind
außerhalb der Abrechnung zu dokumentieren (Beweiszweck) —
Gleichbehandlung ist Prozessanforderung, keine Salary-Rule.
## Verweise
- **KB-intern:** lb-glb-05 (systematischer Rahmen: GlBG/BEinstG,
einzelgesetzliche Verbote) · lb-glb-02 (Diskriminierungsbegriff,
absolute Verbote) · lb-glb-07 (Rechtsfolgen der Verletzung) ·
lb-vor-05 (Betriebspension Arbeitsrecht) · lb-ent-02 (BV-Ebene) ·
lb-ent-03 (Einzelvereinbarung, Stichtagsklauseln)
- **Projekt:** `personalverrechnung/RECHTSQUELLEN-Privat.md`
(Gleichbehandlungskontext der Privatwirtschaft).
- *Hinweis:* Export-Artefakte (Footer „Page n", „Erstellt von …")
ignoriert.